ach der erfolglosen Kampagne, die die Granitzen und das bjelawische Bauernheer im Sommer unternahmen und die bis zur Erntezeit mit einem vollständigen Rückzuge beendet war, kam es im Septjabr zu einem Gegenangriff der Orken, dessen Ausmaß selbst die zuversichtlichsten Kämpen an der Granitza zu entmutigen drohte. Ein gewaltiges orkisches Heer überrannte die Verteidigungsposten der Granitzen und drang - zum ersten Mal seit wohl 300 Jahren - tief ins bjelawische Reichsgebiet vor. Ein fester Platz nach dem andren fiel, die zusammengewürfelte Verteidigung, von der Sommeroffensive geschwächt, hielt nicht stand, so dass die Orken in nur wenigen Tagen bis vor die Tore von Olenobrodsk vordrangen. Der Ork hatte das Tor zum bjelawischen Hinterlande erreicht - würde er es aufstoßen können?
Doch Bjelawa war nicht völlig unvorbereitet. Weise hatte der Großfürst gehandelt und als das Scheitern der Kampagne gegen Wostotschnaja offenkundig ward, hatte er bereits seine Reserven im Herzen des Landes versammelt und eilte in eigener Person mit einem starken Heere der Bedrohung entgegen. Seine treuesten und besten Truppen begleiteten ihn: Gorynows schwarze Garde, deren Name für Tod und Verderben unter den Orken steht; das Ritterheer des Ordens, dessen gepanzerte Reiter und Hilfstruppen seit Jahrhunderten Schwert und Schild des Reiches sind. Der Großfürst selbst ritt inmitten einer Schar gepanzerter Adliger und führte das Hauptheer der Opoltschenije und Granitzen auf die Walstatt.
Auch zu den Kosaken hatte der Großfürst gesandt, ihm Heeresfolge zu leisten - doch würden die Hetleute sich einigen? Würden die grimmigen Kämpfer aus der Steppe auf ihren ausdauernden Pferden überhaupt rechtzeitig eintreffen? Seit langer Zeit war es nicht mehr geschehen, dass die Kosaken dem Großfürsten Waffenhilfe geleistet...
Späher und Flüchtlinge berichteten indes von verschiedenen Stämme der Orks, deren Heerhaufen vor der Stadt Hirschfurt angelangt waren. Der Stamm mit dem Banner des Wolfes, der sich selbst "Grimbradz" nennt und der für seine wilden, unerbittlichen Kämpfer berüchtigt ist, belagerte bereits die Stadt, deren Verteidiger nur mit Mühe stand hielten. Die Hauptmacht bestand aus zwei gewaltigen Haufen des Stammes der Eber, die ihresgleichen in ihrer kehligen Sprache auch als "Schoda Schwong" zu bezeichnen pflegen und die Ebene und den Hügel bei der Stadt besetzt hielten und das Heer der Bjelawen zur offenen Feldschlacht erwarteten.
Als ob an dem noch nicht genug wäre, murmelte man von einem zweiten gewaltigen Heerhaufen vom Stamme der "Blundar Dongan". So mancher ergraute Granitze frug sich, was wohl jenen eher friedlichen Stamm zu solchem Blutdurste getrieben. Hatte doch einst die junge Szlachtizin Uranowa auf einer Mission des Fürsten Frieden mit den Blundar Dongan geschlossen und jenen Vorposten errichtet, der noch heute ihren Namen trägt - Uranowskij Karaul. Was wohl aus den wackeren Männer daselbst geworden sein mag?
Es heißt nun, dass der Fürst eine kleine, bunt zusammengewürfelte Schar der allerverwegensten Krieger, darunter ausländische Söldner, geführt von zwei Offizieren der Granitzen und der großfürstlichen Garde direkt hinter die feindlichen Linien gesandt, um den Vormarsch der Blundar Dongan zu sabotieren. Doch war dies Unterfangen nicht wenig mehr als eine Verzweiflungstat? Was konnte man von so einer kleinen Schar schon erhoffen. Und doch schien es kein reines Himmelfahrtskommando, munkelte man doch, Personen von allerhöchstem Stande seien an der Aktion beteiligt...
Auf dem Schlachtfeld angekommen, hieß Großfürst Nikolai seine tapfersten Einheiten gegenüber der von den Schoda Schwong besetzten Anhöhe, wegen seines Moosbeerengestrüpps in Hirschfurt auch "Die Rote Kuppe" genannt, Aufstellung nehmen. Ihn zu stürmen fiel den Reitern des Ordens und der Schwarzen Garde zu und bald sollte die Flanken jenes Hügels in ein blutigeres Rot als das der Beeren getaucht werden.
Noch war Hirschfurt in der Hand der Menschen und im Vertrauen auf die trutzige Wehr der Stadt und den ungebrochenen Mut der Verteidiger, lehnte der Großfürst seine Hauptmacht zur Rechten an die Palisaden und ließ sie aufs freie Feld neben der Stadt marschieren. Die Mannen der Woiwoden, der Provinzfürsten, sollten durchs Westtor in die Stadt vordringen und den Verteidigern zu Hilfe eilen.
Das Schachbrett war bereitet, die Figuren aufgestellt - das Schicksal nahm seinen Lauf.
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