ie Abendsonne taucht die blutige Walstatt in ein unwirklich goldenes Licht. Noch immer wüten die Feuer in der ehemals hölzernen Stadt Hirschfurt, nichts als rauchende Trümmer werden von ihr bleiben. Der Fürst hält Heerschau auf dem freien Felde. Allein sind die Blundar Dongan zu schwach, um erneut den Kampf zu suchen, doch auch die Bjelawen sind zu erschöpft, um ihnen in die Wälder nachzusetzen. Gewaltig waren die Verluste auf beiden Seiten und gerade unter den kampferprobtesten und bestausgerüsteten Truppen hat der Sensenmann besonders reiche Ernte gehalten - beim Sturm auf den Roten Hügel. Nun werden westlich der Stadt die Toten bestattet, in langen Reihen, Bauer neben Szlachtizen, Ritter neben Lanzenknechten. Im Tode sind sie alle gleich.
Auf dem Hügel, und bei der Stadt, auf der andern Flussseite und weiter nördlich wird nun eifrig geschanzt. Feldbefestigungen und Vorposten werden errichtet. Ein Vorrücken ist nicht mehr möglich, bald wird der Herbstregen einsetzen und halb Bjelawa in eine unwegsame schlammige Ödnis verwandeln. Doch auch die Orks dürfen nicht durchbrechen und so muss das Heer noch bei der zerstörten Stadt aushalten.
In der Nacht können die Posten vereinzelt die Lagerfeuer der Orken ausmachen, auch sie beginnen, sich im Walde zu verschanzen und auf bessere Gelegenheit zu warten. Vielleicht im Dekabr, beim ersten Frost, bevor der bjelawische Winter alles Leben mit seiner unbarmherzigen Kälte zum Erstarren bringt...
Am nächsten Tag im Morgengrauen wartet eine Überraschung: auf der Zitadelle, dem einzigen steinernen Bauwerk Hirschfurts, über den geborstenen, rußgeschwärzten Steinen, flattert das Banner der Wölfe! Haben sich also tatsächlich Überlebende der zähesten aller orkischen Krieger in diesem Bauwerk verschanzt! Wird der Fürst einen Sturm befehlen? Doch Nikolai ordnet nur an, die Stadt abzuriegeln - die Zeit wird den Bjelawen die Opfer eines Sturms auf die zerstörte Stadt ersparen.
In den nächsten Tagen entwickelt sich ein geschäftiges Treiben im Heerlager. Lastkähne machen unterhalb der Stadt an behelfsmäßigen Kais fest - sie bringen Verpflegung und Nachschub für das Heer. Granitzen und Ordensritter marschieren nach Norden - der Pass, über den die alte Handelsstaße führt, könnte zu für die Orken zu einem zweiten Weg nach Bjelawa werden, wenngleich die Gefahr gering ist - zu unwegsam ist das Gelände und zu gut lässt sich der Pass verteidigen. Auch die Kosaken rücken ab, das Wilde Feld darf nicht zu lange schutzlos sein, sonst fallen die Horden der Schoda Schwong daselbst ein.
Der Fürst selbst, und sein Hauptheer bleiben jedoch an der strategisch wichtigsten Stelle der ganzen Granitza - Hirschfurt. "Sie werden nicht durchkommen!" ist die Parole, die er der ganzen Front ausgegeben hat.
Fast eine Woche nach der Schlacht eskortiert ein Spähtrupp der Granitzen eine Gruppe von Menschen ins Heerlager. Ausgemergelt und völlig erschöpft sind sie, haben sich durch die Reihen der Blundar Dongan geschlichen und gemeuchelt, auf dem Weg zurück von ihrer Mission. Bewegt nimmt der Großfürst den Bericht der Jesaulja, der überlebenden Offizierin des Trupps entgegen. Das "Himmelfahrtskommando" hatte den Auftrag ausgeführt und die Blundar Dongan durch Plänkeleien, Überfälle auf den Nachschub und die glückliche Gefangennahme eines Schamanen in der Nähe eines einsamen Gehöfts hingehalten, so dass die zu vorsichtig vorgehenden Blundar Dongan fast zwei volle Tage verloren. Nur so konnte die Schlacht gewonnen werden.
Die Dame hatte den entscheidenden Zug im Verborgenen gemacht!
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