reignete sich einiger Aufruhr, als die Redaktion des Bjelhaver Kuriers, der einzigen, mit Holzlettern gedruckten, bjelawischen Zeitung von vermummten Bewaffneten gestürmt und niedergebrannt wurde. Von den Zeitungsschreibern fehlt seitdem jede Spur...
Kein Bjelhavener, der recht bei Verstande ist, wagt sich laut zu fragen, ob der Vorfall vielleicht mit diesem vor einigen Tagen erschienenen Bericht zu tun hat...
Riskante Abenteuer in Wostotschnaja - ist das Reich noch zu retten?
Lieber Leser. Wie Dir sicherlich aufgefallen ist, gärt es seit einiger Zeit in den Landen des ehrwürdigen Väterchens Großfürst. Nur wenig ist zu erfahren um die Vorgänge und den östlichen Ländereien. Selbst aus Lesskamen ist kein zuverlässiger Bericht zu erhalten, nur Gerüchte allerorten.
Inmitten des Wirrwarrs widersprüchlichster Meldung ist es unserem höchst gewitzten und beschlagenen Korrespondenten, dem ehrenwerten Doctorius Ricardus Curanus (Name von der Redaktion geändert) gelungen einen Bericht direkt aus der Stadt Hirschfurt zu übermitteln.
Selbiger ist höchst brisanten Inhalts und erklärt das beredte Schweigen aus Bjelgorod und die widerstreitenden Gerüchte, welche offenbar auch bewusst gestreut werden.
Hier nun der Bericht, den wir der gespannten Öffentlichkeit keinesfalls vorenthalten zu dürfen glauben.
Hirschfurt, Septjabr 7515
Ich hoffe dieser Bericht verlässt Hirschfurt, bevor es womöglich vom Feinde vollständig eingeschlossen wird.
Schon die letzten Tage füllte sich die Stadt mit fliehenden und versprengten Granitzeneinheiten, die teils in guter Ordnung, teils in wilder Panik heranbrandeten. Immer häufiger werden die Berichte von sich nähernden Heerhaufen der Orken...
Doch was ist geschehen... Lassen Sie mich, lieber Leser eine Rekonstruktion der Ereignisse versuchen:
Nach Rückeroberung von Teilen der Wostotschnaja war es im letzten Jahre recht ruhig an der Grenze. Doch mehrten sich seit dem Winterende Gerüchte über Provokationen und kleineren Zwistigkeiten an der Grenze. Berichte über geheimnisvolle Frachtwagen, die bei Nacht und Nebel die Granitza passiert haben sollen, machten die Runde.
Zu größeren Händeln kam es schließlich im Mai, als Orken völlig überraschend einen Karaul (Wachtturm) der Granitzen überfielen und die Besatzung aufs bestialischste abschlachteten.
Der Großfürst befahl daraufhin die Aushebung der Opoltschenije, und so mancher Bauer musste sich von Heim und Hof trennen und ins Feld ziehen.
Im Juli schließlich, in der Hitze des Sommers, kurz vor der Erntezeit, schlugen unsere Truppen zu und drangen tief in die orkischen Gebiete Wostotschnajas vor. Nach anfänglichen Siegen verhängte das Oberkommando jedoch eine Nachrichtensperre und seit wegen der Ernte zahlreichen Bauern zurückbeordert wurden, trafen täglich größere Verwundetentransporte ein.
Vor einigen Wochen ward die Stimmung noch nervöser - viele Städter haben bereits ihr Hab und Gut mit Wagen in Sicherheit gebracht und Schiffe bjelaabwärts waren rar geworden...
Schließlich in den ersten Sepbtjabrtagen ward das Debakel offenbar - die bjelawischen Granitzen scheinen geschlagen und ganz Hirschfurt zittert, was da kommen möge.
Zwar heißt es, der Großfürst sammle ein neues Heer und der Orden sei ins Feld gezogen - doch halten das viele für bloße Latrinenparolen.
Auch sei Botschaft an unsere Brüder, die Kosaken gegangen, doch wer weiß schon, ob sie rechtzeitig aus dem Wilden Felde eintreffen.
Und so macht sich große Niedergeschlagenheit breit bei den Verteidigern von Hirschfurt....
Lieber Leser, soweit der Bericht! Ist es nicht unglaublich mit welcher Vertuschung und Geheimhaltung hier vorgegangen ward? Fürchtet man orkische Spione - wie auch immer die aussehen mögen? Oder schämt man sich einfach ob der offensichtlichen Unfähigkeit unserer Führer?
Wir vom Bjelhavener Kurier versuchen weiterhin, die neuesten Berichte aus Lesskamen zu erhalten, doch dies wird immer schwerer. Bleiben Sie uns gewogen!
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