chlaf, mein Junge, auf dich nieder
strahlt des Mondes Schein.
Schlaf, ich sing' dir schöne Lieder,
schlafe, schlafe ein.
Märchen, Lieder will ich singen.
Schließ die Äugelein,
daß sie in den Schlaf dir klingen.
Schlafe, schlafe ein.
Aus des Tereks wilden Wogen
springt der Feind ans Land,
und der Dolch, den er gezogen,
blitzt in seiner Hand.
Doch dein Vater, kühn als Krieger -
du kannst ruhig sein -
bleibt gewiß im Kampfe Sieger.
Schlafe, schlafe ein.
Dir auch wird das Leben bringen
Kampf und Schlachtennebel;
kühn wirst du aufs Roß dich schwingen,
gürten deinen Säbel.
Deinen Sattel fass' mit feiner
Seide ich dir ein,
Schlafe nur, mein Lieber, Kleiner,
schlafe, schlafe ein.
Wie ein Ritter, kühn im Streite,
kämpfst du für dein Land.
Wenn ich dich hinausbegleite,
winkst du mit der Hand.
Weinen werde ich voll Kummer
nachts im Kämmerlein.
Schlafe, Engel, süßen Schlummer.
Schlafe, schlafe ein.
Kummervoll, in steter Klage
wart' ich immerzu.
Beten werde ich bei Tage,
finde nachts nicht Ruh.
Denn auch dir wird Leid beschieden
in der Fremde sein.
Schlaf! Noch hast du Ruh und Frieden.
Schlafe, schlafe ein.
Deines Vaters Dolch reiche
ich zum Abschied dir.
Daß sein Schutz nie von dir weiche,
nimm ihn hin von mir.
Rüstest du zu wildem Kriege,
denke dann auch mein.
Schlaf, mein Junge in der Wiege,
schlafe, schlafe ein.
frei nach Michail Lermontov
|