rigori Kossonossow, der Wächter der Magierakademie, fuhr auf Urlaub in sein Heimatdorf.
"Nun, was ist, Brüderchen Kossonossow," sagten die Kollegen beim Abschied, "da ihr schon hinfahrt, könnt ihr vielleicht ein bißchen werben dort im Dorf, wie? Sagt den Bäuerlein so und so, das Magiekunde entwickelt sich bei uns, vielleicht tragen sie etwas Geld zusammen für neue Folianthen!"
"Da könnt ihr versichert sein," antwortete Kossonossow, "ich werd' schon tüchtig Propaganda machen, wär' was anderes, wenn es nicht um die Magiekunde ginge, aber darüber, seid unbesorgt, werd' ich schon was richtiges sagen!"
Kossonossow kam nach Haus und begab sich gleich am Tag seiner Ankunft zum Dorfältesten.
"Also," sagte er, "ich will hier ein bißchen für das Magiewesen werben! Kann man nicht eine Versammlung einberufen?"
"Nun, warum nicht," sagte der Älteste, "werbt nur, werbt nur!"
Am anderen Tag rief der Alte die Bauern beim Vorratsschuppen zusammen. Grigori Kossonossow trat vor sie hin, verbeugte sich und begann:
"Also, so ist die, die Magiekunde, Brüderchen Bauern! Da ihr ein, naja, na Gott naja, ungebildetes Volk seid, werde ich euch etwas von der Politik erzählen. Hier, sagen wir mal, ist Bjelawa und dort vielleicht das Orkreich. Hier Bjelawa und da - naja, überhaupt..."
"Worüber redest du eigentlich, Väterchen?" fragten die Bauern.
"Worüber?" erwiderte Kossonossow empört, "über die Magiekunde natürlich! Blüht halt sehr auf, die Magiekunde! Hier ist also Bjelawa und hier ist Akron."
Die Bauern hörten finster zu. "Halt' dich nicht auf!" rief jemand von hinten. "Red' weiter!"
"Ich halt' mich ja gar nicht auf", sagte Kossonossow eingeschüchtert."Ich red' ja über die Magiekunde. Sie entwickelt sich bei uns, Brüderchen Bauern, nichts dagegen zu sagen, was wahr ist, ist wahr!"
"Hm, etwas unverständlich," rief der Älteste. "Du, Drüderchen Grigori, musst etwas volkstümlicher sprechen, bitte, daß Dich die Masse auch versteht!"
Kossonossow trat näher an den Haufen der Bauern heran, setzte verlegen das eine Bein etwas vor und begann von neuem: "Also, Brüderchen Bauern - man bildet Magier aus bei uns. Und nachher - ssst – verzaubert man Dinge! Zaubert sie weg, sozusagen!
Nun, mancher natürlich zaubert nicht so gut, wie der Adept Jeremilkin, wegzaubern tat er ganz gut und dann beim Wiederherzaubern war er auf einmal hoch in der Luft bums, krach, ein nasser Fleck blieb übrig!"
"Ist doch kein Vogel schließlich," sagten weise die Bauern.
"Eben, das sag' ich auch!" sagt Kossonossow, erfreut über die Anteilnahme. "Natürlich kein Vogel! Ein Vogel, wenn der herunterfällt, nun ja, er schüttelt sich und los weiter.
Anders beim Menschen. War da noch so ein anderer Zauberer. Der fiel auf einen Baum und hing da wie ein Äpfelchen. Hat sich natürlich erschreckt, der Arme, es war zum kranklachen!
Ja, ja, ja, verschiedenes passiert so! Da ist einmal eine Kuh bei uns in den Limbus weggezaubert worden! Ssst, weg war sie – und dann – ritsch ratsch - das Innere war außen! Auch Hunde!"
"Und Pferde?" fragten ängstlich die Bauern. "Auch Pferde, Väterchen?"
"Auch Pferde!" sagte stolz im Brustton der Überzeugung der Redner.
"Das kommt oft vor!"
"Ach, diese Kanaillen, hol' sie der Teufel!" sagte jemand. "Was sie sich jetzt alles ausdenken: Pferde zu Tode quälen - nun Väterchen -und das entwickelt sich jetzt, ja?"
"Eben, das sag' ich ja! Es entwickelt sich, Brüderchen Bauern! Und darum meine ich, sammelt vielleicht die ganze Bauernschaft etwas Geld."
"Wofür denn bloß, Väterchen?" fragten neugierig die Bauern.
"Für Bücher natürlich, in denen neue Zauber stehen!" sagte der Redner. Die Bauern lächelten sehr finster und gingen langsam auseinander.
Geld für neue Folianthen brachte Kossonossow, als er von seinem Urlaub zurückkam, nicht mit. Die Bauern seines Heimatdorfes waren eben noch ein zu ungebildetes Volk.
(frei nach Michail Sostschenko und Manfred Krug "Lyrik, Jazz, Prosa", Kongreßhalle am Berliner Alexanderplatz, 31.10.65)
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