
lso vernommen und getreulich aufgezeichnet von Grigorij Iljuschin, Wandermönch und Missionar der heiligen Kirche Unserer Großen Mutter.
Als ich nun mit dem Hetman des Sippe sprach und ihm von den Wundern der großen Mutter und ihrem segen für die bjelawische Erde berichtete, hub er zu der nämlichen Rede an:
"Ha! Götzendiener! Was glaubst Du, wie viele vor Dir hier waren?! Ich will Dir etwas sagen und Du wirst zuhören. Ich bin ein weit herumgekommen. Ich habe die westlichen Provinzen gesehen und sogar übers tinarrische Meer bin ich gereist. Ich habe Männer gesehen, erwachsene Männer, die sich in den Staub warfen vor armseligen Holzfiguren oder mächtigen Bronzestatuen. Wieder andere behaupteten, man könne ihren Gott nicht sehen. Einige beteten ein Schwert an und riefen "Krom!", wenn sie sich davor niederwarfen. Einer meinte sogar, er habe mehr Götter, als er aufzählen könne." (Es erhob sich ein allgemeines Gelächter.) "Und nun kommst Du, Mönchlein, und erzählst mir was von einem Weib, dem wir uns alle unterwerfen sollen? - He, Aljonuschka, bring noch Kumys! Da - sieh sie Dir an, Mönchlein. Hast Du schon mal eine gesehen?" O Ungemach, o Peinlichkeit! Packte er doch seine halbwüchsige Dienstmagd beim Genick und hielt mir ihre wohlgerundete Weiblichkeit dicht vors Auge und wahrhaft homerisches Gelächter erhob sich angesichts meines schamvollen Errötens. Und er fuhr fort: "Da siehst Du, wozu sie gut sind. Aber genug davon! Ich will Dir jetzt etwas über unsere Götter erzählen." (Allgemeines Raunen.)
"Unsere Götter sind im Donnern der Hufe auf dem Steppenboden. Sie sind im Klingen der Säbel im Kampfe. Im Ächzen der Zeltstangen sind sie, wenn sich die Jurte gegen den eisigen Nordwind stemmt. Unsere Götter sind im Knall der Peitschen, wenn wir unsere Herden treiben.
Das ist die wahre Macht, Prediger! In unseren starken Armen und unseren mutigen Herzen ruhen die Kraft und das Wissen unserer Ahnen, die in unseren Liedern ein ewiges Leben führen. Nichts ist vergessen - nichts wird jemals vergessen. All diese Helden haben uns gelehrt, das Schicksal zu zwingen - mit unserer eignen Kraft, mit unserm eignen Witz und unserer eignen Tapferkeit.
Und nun sag mir, Mönchlein, wozu brauchen wir irgendeinen Gott?!"
Noch bevor ich antworten konnte, brandete Jubel auf ob der gewaltigen Rede des Hetmans und als es wieder verstummte, sprach der Hetman erneut. "Nun setz Dich zu uns und sei unser Gast! Nimm Brot und Salz mit uns, wie es auch bei Deinen Leuten üblich ist. Sei uns willkommen, aber schweig von Deiner großen Mutter, sonst müssen wir Dich fortjagen."
Darauf nun hub ein Gelage an, welches wohl fünf volle Stunden gedauert haben mag und ich wurde zu einer Völlerei genötigt, dass mir jetzt noch der Magen schmerzt. Am nächsten Tage zog die Sippe in den Krieg gegen die Orks und ich kehrte nach Zerkownaja zurück.
Darum bitt ich Euch nun, ehrwürdiger Patriarch, mich von meinem Dienst als Missionar zu entbinden, da ich armseliger der großen Aufgabe nicht gewachsen bin.
Es erfordert Männer, die aus anderm Holze geschnitzt sind, um die Kosaken zu bekehren.
Verzeiht mir zudem, die ausgestoßnen Lästerungen, doch geb ich nur wortgetreu das wieder, was mir der Hetman vortrug.
Euer Diener
Grigorij Iljuschin
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